| Helga, die Strokes und das platte Land: Hurricane 2010 |
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| Geschrieben von: Anne Witzke | |
| Montag, den 28. Juni 2010 um 21:46 Uhr | |
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Die Atmosphäre auf dem Campingplatz war so gemütlich, wie ich es gewohnt bin: es wird gegrillt, auf den freien Gehwegflächen werden Saufwettbewerbe ausgetragen und Limbomeilen aufgebaut, die es zu überwinden gilt. Die Leute haben zum Teil lustige Kostüme an, wobei dicke Männer zu Vollweibprostituierten mit rotem Korsagenkleid und Bunnyohren werden und kleine Mädchen mit einem aufgeblasenen Pferdeschwimmring durch die Nacht davon galoppieren. Auch Helga, nach der auf Festivals regelmäßig gefahndet wird, war - wie zu erwarten war - unauffindbar. Man kommt leicht mit den Leuten über Belanglosigkeiten oder free hugs ins Gespräch, so dass man sich auch locker mal von jemandem einen Dosenöffner leihen kann, um seine Schusseligkeit in der Planung zu kompensieren. Aber die Acts auf dem Festivalgelände waren auch nicht ohne. Neben den so genannten Indie/Alternative-Mainstream Bands wie „Vampire Weekend“, „The Strokes“, „Madsen“, „Beatsteaks“, „Billy Talent“, „Jack Johnson“, „Phoenix“ und Co taten sich auch ein oder zwei andere Facetten auf, die auch den Geschmack des Rap- und des Tranceliebhabers bedienten. Das war zum einen der scheinbar den Plattenbauten entsprungene Vorstadtprolet „Dendemann“ und andererseits die Elektro-Trance-Kombo „Faithless“, die tanzbare Musik lieferte, zu der nicht nur klischeebeladene Schlaghosen- und Plateuschuhträger abgegangen sind. Auch Ska und rockiger Reggae waren mit den Bands „La Brass Banda“ und „Skindred“ vertreten. Die inzwischen doch schon ziemlich gehypten „Florence And The Machine“ und deren befreundete Band „The xx“ lieferten ein ziemlich gute Performance. Barfuß und in ein blaues Tüllkleid mit langen wehenden Ärmeln gehüllt, hat Florence Welch von „Florence And The Machine“ mit dem Hurricane- Festival einen Ort gefunden, der groß genug für ihre füllende Stimme ist. „The xx“ hingegen hätten zeitlich nicht besser platziert werden können. Direkt vor der Abschlussband des Tages „Massive Attack“ durfte das Duo im Dunkeln mit einer schlichten Lichtshow seine melancholischen Songs auf das Gelände streuen. Was ein bisschen schade war – was aber bei einem so Naja…Der gelungene Abschluss des Festivals war für mich auf jeden Fall der Auftritt der „Strokes“ – auch wenn nebenher auf den anderen Bühnen zeitgleich auch „The Prodigy“ und „Ignite“ spielten. Als eine der letzten Bands des Festivals hatten sie natürlich einen großen Zulauf an partyhungrigen und tanzwütigen Besuchern. Richtig tanzen konnte man aber wahrscheinlich eher hinten, denn ganz vorne an der Bühne, wo ich nach viel Aufwand zum Stehen kam, war es ein einziges Gequetsche und Geschiebe, so dass es keine wahre Freude war. Aber so nah und so schnell kommt man in Deutschland auch nicht mehr an die „Strokes“ ran – also was soll’s. Und auch wenn der offensichtlich betrunkene Julian Casablancas- der Sänger der Band – keine Ahnung hatte, was er mit uns reden sollte und es dennoch lustigerweise immer wieder versuchte, war die Musik doch ziemlich toll. Wie alles andere auch hat das Hurricane Festival seine Vor- und Nachteile. Man kann dort viele große und bekannte Bands sehen, die Stimmung ist – zumindest auf den Campingplätzen ganz lässig. Andererseits gibt es viel Gerenne, Gedränge und Geschubse, auf das ich auch gerne verzichten könnte. Dafür habe ich auch eine wunderschöne Schlammschlacht gesehen – die entschädigte für einiges… Also ich kann Festivals nur jedem empfehlen und das Hurricane ist auf jeden Fall eine große und feine Sache. Ich für meinen Teil werde mir nächstes Jahr vielleicht ein kleineres Festival suchen – und davon gibt es in Deutschland und in der Umgebung auch nicht gerade wenig: vielleicht das La Pampa, oder mal wieder zum Dockville nach Hamburg, oder nach Belgien zum Pukkelpop… mal schauen, was der nächste Sommer bringt.
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großen Festival, mit so vielen bekannten oder zumindest verheißungsvollen Namen wahrscheinlich nicht vermeidbar ist – ist die „On-the-run“-Stimmung: Möglichst viele Bands mitnehmen wollen und ständig zwischen den Bühnen hin- und herwechseln, weil man ja bloß nichts verpassen will. Dabei wird von manchen Leuten vergessen, dass ja eigentlich der Spaß an der Musik im Vordergrund stehen sollte. Bezeichnend dafür war für mich der Auftritt von „La Roux“, der an diesem Tag der letzte war und in einem Zelt stattfand. Die Schlange vor dem Zelt war schon ziemlich lang, als ich ankam, und Geschiebe und Gedrücke sind Wörter, die eigentlich nicht stark genug sind, um zu beschreiben, was dort in der Menge passiert ist. Aber als ich es dann endlich ins Zelt geschafft hatte und mich auf die bevorstehende Performance freute, sah ich mich umgeben von lauter gestressten und müden Gesichtern. Die Stimmung wurde leider auch während des Auftritts nicht besser. Dabei machen „La Roux“ mit ihren Hits wie „Bulletproof“ oder „Quicksand“ echt tanzbare gute Elektromusik. Da frage ich mich dann, wieso wollten alle diese Menschen erst mit brachialer Gewalt in das Zelt, wenn sie letztendlich doch nur dastehen und glotzen…?