| Das war... der Tatort: "Tod auf dem Rhein" |
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| Geschrieben von: Jette K. Backhaus | |||
| Dienstag, den 02. März 2010 um 10:06 Uhr | |||
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Etwas heiser, wenig Musik, die den Ernst der Lage nicht verkennen lässt: „Halt durch, auch wenn Du allein bist, halt durch…“. Dazu ein Mann auf einem Boot, neben ihm sein Sohn. „Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht“, sagt der Vater. Schweigen. „Du hast schon wieder getrunken!“ Der Sohn stürmt davon. Der Vater steigt ins Schlauchboot und fährt los zur betrunkenen Tour auf dem Rhein. Das ist zwar dramatisch, aber zu viel der tragischen Dramaturgie. Deshalb begnügt sich der Tatort „Tod auf dem Rhein“ im generell düsteren Ludwigshafen auch mit sparsam emotionalen Kommissaren und einer wenig verwickelten Geschichte. Konrad Hanke, der Mann auf dem Boot, verlor seine Frau Dana, Rennfahrerin, bei einem Unfall mit der Teamkollegin. Er selbst wird vom einen Lichtblick des Abends, der jungen blonden Pathologin, die für ein schickes Date auch mal gerne auf eine Leichenidentifizierung verzichtet, aus dem Rhein gezogen. Sohn Daniel hat nur noch seine Tante und den Bootsbaubetrieb der Familie. Da wird noch ehrlich gearbeitet, und wen wundert es, dass der Junge auch mal schnell eine Eisenstange zur Hand hat, um die penetrant und mit starrem Gesichtsausdruck fragende Kommissarin Odenthal wegzuschicken. Im Rennstall Hamacher, der nach dem Tod seiner Spitzenfahrerin Hanke einen kindlichen Macho an die Seite von Gabi Stein, Hankes ehemalige Teamkollegin und Crashpartnerin, gestellt hat, geht es nicht so ehrlich zu. Mit feinster Ingenieurstechnik werden Wagen auf Strecken eingestellt, der ehemalige Chefingenieur Konrad Hanke ist inzwischen ausgestiegen, sein Laptop aber ist noch immer programmiert und von höchstem Interesse. Dem fällt dann auch Daniels Tante zum Opfer, die wegen der Daten überfallen wird, glücklicherweise aber überlebt – alles andere hätte den tragischen Rahmen schließlich endgültig gesprengt. Aber trotz allem fehlten die tatort-üblichen Skurrilitäten und Banalitäten nicht. Da ist der stoisch entnervte Kriminaltechniker, der die Flasche finden soll, die Konrad Hanke an den Kopf geflogen ist und seine Schlauchboottour abrupt beendete: „Wischt ihr was des kostet, Schampagner, alles auf Staatskoschten? Und denn mach isch mir nen schönen Abend damit?“ Den lässt man besser allein. Der nette Polizist von der Wasserpatrouille wird auch allein gelassen, da ist Frau Odenthal ganz unempfänglich. Und dann auf einmal wird die tröpfelnde Geschichte zum Sturzbach: Der Laptop mit den Ingenieursdaten für die Strecke steht im Rennstall, die gute Gabi Stein hat ihn. Kurz danach liegt sie blutüberströmt auf dem Boden, Daniel sitzt bei seiner hysterischen Tante, die ihn für den Mörder hält und stürmt davon. Dann muss der nette Wasserpolizist mitten in der Nacht den vermissten Daniel suchen, der sich – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – auch mit einem Schlauchboot auf den Rhein gesetzt hat. „Sie schaffen das schon“, sagt Kollege Copper, und fährt mit der Frau Odenthal erstmal ein bisschen ausruhen. Wie man es schafft, mit einem Schlauchboot mit ausgeschaltetem Motor einem Frachtkahn auf dem Rhein aus dem Weg zu gehen, bleibt technisches Rätsel dieses Tatorts. Wie man es schafft, etwas weniger Tragik mit etwas mehr Inhalt zu füllen, wäre einfacher gewesen: Man hätte schon in den ersten 85 Minuten durchblicken lassen können, dass nicht die Kollegin, sondern Dana Hanke selbst den tödlichen Unfall provozierte, aus Eifersucht. Dass Konrad Hanke, der betrügerische Ehemann, von Schuld mindestens ebenso sehr wie von Trauer zerfressen war. Wenigstens war der Zuschauer in einem Punkt befriedigt: Der Böse war diesmal auch der, der hässlich und unsympathisch war. Der kleine Macho im Rennanzug warf die Flasche auf Hanke und schlug Gabi Stein zu Boden. „Steh auf, wenn Du am Boden liegst“ – leicht heisere Zeilen zum Schluss, und ein junger Mann in einem Schlauchboot auf dem Rhein. Daniel Hanke, wie der Vater, so der Sohn. Eins noch: Wie das so ist mit den Ohrwürmern, sie bleiben im Kopf. Während der anschließenden Sondersendung zum Sturmtief Xynthia und der Will-Debatte zum Thema Hartz IV, alles ganz passend: „Halt durch, auch wenn Du allein bist… steh auf, wenn Du am Boden liegst…!“
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