Jeder Fünfte bricht sein Studium ab PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Stefanie Kalleske   
Dienstag, den 26. Januar 2010 um 13:40 Uhr

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Im Wintersemester 2008/09 begannen ca. 386.500 junge Menschen ein Studium an einer Universität oder Hochschule in Deutschland. Die Erstsemester erreichten damit ein höheres Niveau als in den vergangenen Jahren. Nicht ganz unwesentlich für diesen Zuwachs, der sich in den folgenden Jahren weiter steigern könnte, sind die geburtenstarken Jahrgänge der 80er, in Kombination mit den doppelten Jahrgängen der Abiturienten, die ihr Abitur entweder nach 12 oder noch 13 Jahren ablegten.

Jedoch nicht alle Anfänger schaffen es auch bis zum Ende durchzuhalten und einen Abschluss zu machen. Die Ursachen und Motive der Studienabbrecher waren Gegenstand der neuesten Untersuchung des HIS (Hochschul-Informations System). Dabei wurde auch der Einfluss der neuen Studiengänge berücksichtigt. Im Vergleich zur gleichen Studie, die vor acht Jahren durchgeführt wurde, verringerte sich die Abbrecherquote um 1% und liegt jetzt bei 20%. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland im Mittelfeld der OECD Länder. Staaten wie Finnland oder Schweden liegen bei etwa 30% und Großbritannien sogar bei 36%. Dennoch sollte man die Quote nicht unterschätzen, denn es bedeutet, dass von 386.500 Erstimmatrikulierten 77.300 auf der Strecke bleiben.

Ausschlaggebend für den Abbruch des Studiums sind oft mehrere belastende Faktoren. Die drei häufigsten sind Leistungsprobleme, finanzielle Probleme und mangelnde Studienmotivation. Für die meisten Studenten (20%) stellt sich der Lernstoff als zu viel oder zu schwierig heraus, hinzu kommt der hohe Leistungsdruck, der sich in den Bachelorstudiengängen noch verschärft hat. Defizite, wie zum Beispiel das fehlende Latinum, müssen häufig ausgeglichen werden und führen zu zusätzlichem Stress. (Nur 11% verlassen die Uni auf Grund von nicht bestandenen Prüfungen.)

Rund 19% müssen ihr Studium wegen finanzieller Probleme beenden, wobei dies eher auf die alten Studiengänge zutrifft, da Bachelorstudenten oft aufhören, bevor die finanzielle Situation kritisch wird. Gestiegene Lebensansprüche oder Familiengründungen verlangen meist ein höheres Einkommen, das neben dem Studium nicht erreichbar ist, so dass Studenten ihre Zeit eher in den Job investieren. Im Allgemeinen wurde in der Studie deutlich, dass sich durch Umsetzung der Bologna Reform, der Zeitpunkt des abgebrochene_palmeStudienabbruchs deutlich nach vorne verlagert hat. Beendeten Studenten der alten Studiengänge ihr Studium nach etwa 7,3 Semestern, sind es nur noch 2,3 Semester bis zum Aufhören. Jedoch werden immer häufiger unzureichende Studienbedingungen als ausschlaggebender Grund genannt. Man denke nur an das Anmeldeverfahren der letzten Semester an der CAU. Fast jedes Institut hatte sein eigenes Verfahren, mit unterschiedlich Anmeldeverfahren und Zeiträumen. Ein Großteil der mangelnden Motivation resultiert jedoch aus der Wahl des falschen Studienfaches. Zu wenig Information über die Inhalte führt zu falschen Erwartungen, die letztendlich unerfüllt bleiben. Oder die Vernunft siegte über die Intuition und man schrieb sich für ein Fach mit vermutlich guten Berufsperspektiven ein, ohne echtes Interesse für dessen Themen.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Abbrecherquote in den einzelnen Fachgebieten. In den Sprach- und Kulturwissenschaften ging die Zahl der Abbrecher deutlich zurück (von 32% auf 27%), was größtenteils auf den Bachelor zurückgeführt wird, da die Studiendauer geringer ist als bei Magister oder Diplom, denn der häufigste Grund das Studium zu beenden ist hier finanzieller Natur.

In Mathe und den Naturwissenschaften hat sich kaum etwas getan, dort brechen etwa 28% ihr Studium ab. Genau wie in den Wirtschaftswissenschanften (von 31% auf 27%), scheinen hier besonders harte Klausuren am Anfang des Studiums zu einer Aussiebung der Schwachen zu führen.

Grundsätzlich belegt die Studie eine positive Tendenz der Abbrecherquote an Universitäten und Hochschulen, die man jedoch nicht unterschätzen sollte. Es gibt noch immer genug Handlungsbedarf, um die Situation der Studenten zu verbessern.

 

Die komplette Studie findet ihr unter: http://www.his.de/presse/news/ganze_pm?pm_nr=597

 
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