| Neujahrsvorsätze: ein Prosit auf die Plastikwelt! |
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| Geschrieben von: Katia Backhaus | |||
| Montag, den 05. Januar 2009 um 16:17 Uhr | |||
Große Aufgaben hast du dir gestellt im neuen Jahr, so wie jedes Mal. Die Liste für 2009 ist echt lang geworden: ein Feng-Shui-Wasserader-Wohnzimmer, die Porträtserie „ich und mein Schatz“ und die absolut krümelvernichtende Auto-Innenreinigung stehen ganz oben. Was hast du in den vergangenen Monaten überhaupt geschafft? Fast fühlst du dich schon am zweiten Januar überfordert von all der Arbeit und Verantwortung. Jetzt muss erst mal ein Transporter her für den Strandkorb, den du als Selbstabholer von einem Münchner Verkäufer ersteigert hast. Die Mühe ist das Ding wert. Auf dem Rückweg ein kleiner Abstecher zu Mama, saubere Wäsche und Nachschub für die Tiefkühltruhe einpacken. Endlich wieder zuhause, du bist platt und brauchst Erholung von dem ganzen Stress. Film rein, Pizza bestellen, Welt vergessen. Es ist der vierte Januar. Tja, deine kleine Plastikwelt ist verdammt vollgestopft – mit dir und deinem privaten Schnickschnack. Das große Chaos, in dem sie sich sanft schaukelnd bewegt, nämlich der Rest der Welt, ist zum Glück nicht dein Zuständigkeitsbereich. Klimawandel, Finanzkrise, Bundestagswahlen – was könntest du da auch tun? Gut, dass die Politiker sich da drum kümmern. Campussuite, Neujahrskaffee mit den Studis: Sobald du von deinem Strandkorb erzählt hast, beginnen die Planungen für die erste Fete des Jahres. Dein Zimmer als Chill-Out-Lounge mit Palmen, im Flur die längste Cocktailbar Kiels, im Bad Schaumparty... woher kriegt ihr bloß Hoola-Tänzerinnen? Und wer kennt einen hawaiianischen Barkeeper? Hoffentlich geht die Aktion nicht schief, du trägst schließlich die Verantwortung...! Schmale Schultern, kein Gehalt, ergo wenig Verantwortung als Student? Eine ganz schön schiefe Rechnung hast du da aufgestellt. Meinst du, die Leute vom StuPa oder vom AStA können mehr ab als du? Worum du dich drückst, das müssen andere regeln. Mama kocht extra Portionen, die Leute vom AStA kümmern sich um die Bussituation, und die Politiker, die erledigen das mit dem Klimawandel und der Finanzkrise. Jeder macht sein Ding, wie einfach ist das Leben doch! Endlich, die Planung ist aufgegangen. Zehnter Januar, die Strandmucke dröhnt in der Küche, die Cocktails sind perfekt, du hast es geschafft. War auch ganz schön viel Arbeit. Wer ist eigentlich der Typ da, den hast du doch nicht eingeladen? Er erzählt irgendwas von Neujahrsvorsätzen. „Politik, Leute, da ist doch echt was los grade: Klimawandel, Finanzkrise, Bundestagswahlen!“ Mist, so’n Diskutierer ist das. Wehe, der verdirbt deine Party! „Da wollt ihr einfach nur zugucken? Ganz ehrlich, ist ja ne geile Fete hier, aber schon mal aus der kleinen Plastikwelt rausgeguckt? Eure private Kunstblase könnte ganz schön übel durchgerüttelt werden, und das ist euch egal?“ Plastikwelt? Aber dabei ganz real meine Cocktails trinken, was ist das eigentlich für ein dreister Typ? „Ganz ehrlich, ihr seid ja ganz coole Leute hier, aber interessiert ihr euch auch noch für den Rest der Welt? Ich mein’, Politik jetzt, geht ja nur drum, sich um das zu kümmern, was alle angeht. Bisschen so wie Partyplanung in groß und für alle, aber ok, wenn das nix für euch ist...“ Plötzlich ist die Mucke still, das Licht ist aus. Mist, das war wohl zuviel des Guten! Jetzt muss ich das wieder regeln. Im finsteren Treppenhaus beschleicht mich ein komisches Gefühl, so als wäre ich ganz alleine in einer abgeschnittenen Plastikwelt. Hey, warum ist denn da keiner verantwortlich für das Licht? auch zu lesen auf www.efors.eu
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Große Aufgaben hast du dir gestellt im neuen Jahr, so wie jedes Mal. Die Liste für 2009 ist echt lang geworden: ein Feng-Shui-Wasserader-Wohnzimmer, die Porträtserie „ich und mein Schatz“ und die absolut krümelvernichtende Auto-Innenreinigung stehen ganz oben. Was hast du in den vergangenen Monaten überhaupt geschafft? Fast fühlst du dich schon am zweiten Januar überfordert von all der Arbeit und Verantwortung.